Hochzeitsfotograf in der Zeitschrift „Lebenslust“

Im Juni besuchte mich Jörg Podworny aus Witten, Redakteur der Zeitschrift LEBENSLUST für einen halben Tag, um Material für einen Artikel über mich als Hochzeitsfotograf zu sammeln. Es war eine nette Begegnung. Hochzeit feiern und Hochzeitsfotografie hat was mit Lebenslust zu tun, meinte er, vor allem wenn einem die Fotografie von Menschen so viel Lust bereite wie mir. Ich war natürlich gespannt, wie er die Informationsfülle, mit der ich ihn zugetextet hatte, auf 8 bis 10 Magazin-Seiten komprimieren würde. Jetzt ist das August-Heft erschienen. Der Superlativ auf der Titelseite hat mir etwas die Schamesröte ins Gesicht getrieben. Insgesamt bringt der Artikel mit der Headline „Mit den Augen der Liebe“ genau auf den Punkt, um was es mir bei der Hochzeitsfotografie geht und was meine Begeisterung dafür ausmacht. Und flott geschrieben ist der Artikel auch. Die neue Ausgabe der LEBENSLUST ist bei den großen Zeitungskiosken z.B. an Bahnhöfen oder Buchhandlungen für 3,60 € zu erwerben – es finden sind dort noch andere lesenswerte Artikel z.B. über Whitney Houston. Den Artikel über den Hochzeitsfotografen kann man hier als PDF herunterladen.

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Und hier der Text des Artikels von Jörg Podworny in lesbarem Format:

Johannes Fenn: Mit den Augen der Liebe

„Der Würzburger Johannes Fenn gehört zu den besten Hochzeitsfotografen weltweit. Die Bilder „seiner“ Brautpaare bestechen durch das Festhalten einmaliger inszenierter Momente – die aussehen, als wären sie „heimlich beim Liebesspiel beobachtet“.
Der „Schuss“ sitzt! Bio-Unterricht Ende der Sechzigerjahre. Gerade hat der Schüler aus der ersten Reihe den Lehrer beschwatzt, er sollte die Unterrichtsfigur mit den inneren Organen des menschlichen Körpers doch mal umdrehen. Als der darauf eingeht, mit einem Lächeln die Rückseite des nackten Frauenkörpers zeigt und den Po fest im Griff hat, drückt Johannes Fenn auf den Auslöser seiner Kamera. Mit dem Foto des lächelnden Bio-Lehrers gewinnt der 15-jährige zum ersten Mal einen Fotowettbewerb. Und bringt es auf die Titelseite der Schülerzeitung seines Gymnasiums. Noch heute, mehr als vierzig Jahre danach, erzählt Johannes Fenn die Geschichte gerne. Der 59-Jährige, der in Arnstein bei Würzburg lebt und aufgewachsen ist, hat seine Fotokunst in den Jahren erheblich weiterentwickelt. Inzwischen gehört er zu den Top-20-Fotografen der renommierten „International Society of Professional Wedding Photographers“ (ISPWP).

Wenn die Sonne lacht: Blende 8
Der Franke hat das Fotografieren von der Pike auf bei seinem Vater gelernt. Der betrieb in Arnstein ein Kaufhaus und bot seinen Kunden auch Fotos von Feuerwehrfesten, Festumzügen oder Vereinsfeiern an. Als Johannes zehn Jahre alt ist, drückt ihm sein Vater eine „Exakta“-Spiegelreflexkamera in die Hand („eine alte DDR-Kamera, ohne Belichtungsmesser“), bringt ihm ein paar Grundregeln bei: „Wenn die Sonne lacht: Blende 8“, und setzt ihn als „second shooter“ ein, der Fotos von der anderen Seite schießt. Nächtelang entwickeln die beiden im heimischen Fotolabor die Schwarz-Weiß-Fotos der Leute. Später studiert Fenn Pädagogik, fotografiert aber schon für mehrere Magazine, fällt auf durch sozialkritische Fotoreportagen von taubblinden Kindern oder Menschen nachts am Bahnhof. Ein paar Jahre verdient er gutes Geld in der industriellen Werbefotografie. „Aber das hat mich zu Tode gelangweilt; einen Metall-Backofen so zu fotografieren, dass die Spiegelungen perfekt sind … Ich wollte immer Menschen fotografieren!“ Freunde und Bekannte fragen ihn, ob er nicht auf ihrer Hochzeit fotografieren wolle. Er sagt hier und da zu, macht die Sache aber nur „halbherzig“: „Diese künstliche, steife Hochzeitsfotografie mit Bildern, die sich die Oma auf den Nachttisch stellen kann, war für mich der Inbegriff des Spießigen.“ Etwas mehr Lust entwickelt er einige Jahre bei der Aktfotografie. Das ändert sich Mitte der Neunzigerjahre. Fenn hat genug, will einen Schlussstrich ziehen unter seine Fotografenkarriere, verkauft seine gesamte Ausrüstung bis auf eine Kamera und übernimmt mit Erfolg das väterliche Kaufhaus. Er macht nur noch privat Familien- und Urlaubs-Fotos von seiner Frau und seinen zwei Söhnen. Bis 2008.

„Wow, das sind Bilder!“
Am Jahresende sieht er keine Entwicklungsmöglichkeit mehr, sagt sich: „Ich werde nicht als Einzelhändler enden!“ und verkauft das Geschäft. „Ich hatte überhaupt keinen Plan, wollte auch gucken, was Gott mit mir vorhat“, erzählt der gläubige Christ, und räumt erstmal auf: Sechs Monate „habe ich mir viel Zeit gelassen, alles zu entrümpeln“. Und dann geschehen zwei Dinge gleichzeitig. In einem Fotomagazin stößt er auf den Trend der „documentary wedding photography“, der sich seit 2004 von den USA aus breitmacht. Fenn ist hin und weg: „Wow, das sind Bilder!“ Diese Art der fotografischen Dokumentation des Hochzeitstages „bringt genau das rüber, was ich immer wollte!“ Und in diesem Sommer 2009 wird er wieder für Hochzeitsfotos angefragt. Diesmal lockt ihn die Aussicht auf eine interessante Hochzeit: ein amerikanisches Fest „mit einem unglaublich dicken schwarzen Pastor“. Und es reizt ihn, den neuen Stil der fotografischen Hochzeitsreportage selbst auszuprobieren. Von dem Ergebnis sind er, das Brautpaar und die Hochzeitsgesellschaft begeistert. Schnell bekommt er immer mehr Aufträge, ist bald schon für das Jahr 2010 ausgebucht. Fenn spürt, dass sich hier etwas entwickelt, „was ich kann, was ich will, wo ich Anerkennung bekomme und was ich für sinnvoll halte“. Auch das hat mit seiner Überzeugung zu tun: „Wenn deine Bilder die Bedeutung des Ja-Wortes und des Versprechens durch die Emotionalität der Darstellung zum Gelingen der lebenslangen Beziehung beitragen können, dann ist das sinnvoll, auch nach Gottes Vorstellung.“ Johannes Fenns Bilder bewegen. Das hat ihm erst jüngst wieder eine Frau, deren Hochzeit er vor drei Jahren fotografiert hat, geschrieben: „Wenn ich die Fotos betrachte, kommen mir augenblicklich die gleichen Gefühle, die mich damals bewegt haben – und die Tränen …“ Und Fenn will das auch: „Die wichtigsten, emotionalsten, bedeutsamsten Augenblicke eines solchen Tages festhalten.“

Die Hochzeit des Jahres!
Gut fünfzig Paare lichtet Johannes Fenn jedes Jahr ab, zwischen Berlin, Frankfurt, München oder Salzburg, schießt bei den Ganztagesreportagen und den Porträts des Brautpaares, die während des Hochzeitstages oder später bei AfterWedding-Shootings entstehen, 100.000 Fotos jährlich. Mindestens dreißig Stunden Arbeit investiert er für die Fotos eines Paares. Die bezahlen dafür im Normalfall einen Betrag ab 1.800 Euro. „Dabei geht es mir nicht um den Profit, sondern um sie und das Ergebnis“, erklärt Fenn. Jedem einzelnen Brautpaar gibt er das Gefühl: Dies ist die Hochzeit des Jahres! Zumindest für sie. Die Brautpaare sind die Stars des Tages, die er vom Frisieren am Morgen bis zum Brauttanz am Abend mit der Kamera begleitet. Sie sorgen für unwiederbringliche emotionale Momente. Johannes Fenn, das spürt man, mag „seine“ Brautpaare, denen er in einem Video einmal eine „Liebeserklärung“ gemacht hat. Kernbotschaft: „Die Fotos werden dann hervorragend, wenn ich dieses Paar mit den Augen der Liebe sehe.“ Entsprechend liebevoll inszeniert er seine Porträts. Ein Brautpaar hat zwei Jahre lang das eigene Haus renoviert. Also zieht Fenn mit den beiden in den Baumarkt, lässt Ihn die Braut im Schubkarren durch die Gänge kutschieren oder lichtet sie auf der Leiter am Hochregal ab. Ein anderes Paar hat jahrelang eine Fernbeziehung geführt. Hier verlegt Fenn das Shooting auf den Bahnsteig, geht selbst ein Gleis weiter und fotografiert, wie Er Sie in einem milden Lichtkegel um die eigene Achse dreht. Einen seiner vielen Preise gewinnt Fenn mit dem Kuss-Foto des Brautpaares in einer Luxus-Karosse – während ein Mädchen durchs Fenster guckt (Seite 26); natürlich inszeniert. Für das Mädchen musste sogar extra eine Fußbank ans Autofenster gestellt werden. Aber diesen ganz besonderen Kinderblick, für die Kategorie „Kids will be kids“ – den kann man nicht inszenieren. „Darum ist jedes gelungene Foto für mich ein Geschenk Gottes.“ Johannes Fenn liebt die Nebenschauplätze am Rande: alte lächelnde Omas, kleine Kinder mit eisverschmiertem Mund, wie sie unter dem Rock der Braut hervor lugen, Close-ups der Gratulanten. Den Paaren gibt er kleine Tipps, dann müssen sie es vor der Kamera richten. Meist gelingt es – und damit ein einzigartiges Foto. Wenn Er Ihr, wie geraten, etwas Unerwartetes ins Ohr flüstert und Sie darauf freudig-überrascht lächelt – und Johannes Fenn auf den Auslöser drückt. „Das ist ein bisschen so“, sagt er, „wie heimlich beim Liebesspiel beobachtet“.

Jörg Podworny

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Martina Rinke - 14. August 2012 - 11:16

Herzlichen Glückwunsch zu diesem schönen Artikel.

Till - 14. August 2012 - 12:16

Gratulation zu diesem tollen Artikel!

Bernadette & Maurizio - 14. August 2012 - 21:00

Hallo Johannes,
ein wahnsinns Artikel, der in keinster Weise zur Übertreibung tendiert. Das Superlativ auf der Titelseite ist zu 100% passend. Wir sind überaus dankbar das du unseren großen Tag im Juli diesen Jahres begleitet hast, und so emotionale und wertvolle Fotos entstanden sind.
Sämtlichen Familienmitgliedern, Freunden und Bekannten haben deine Bilder erneut Tränen in die Augen getrieben.
Du bist halt einfach der richtige für diesen Job! Weiter so 🙂

Herzliche Grüße

Bernadette & Maurizio

Kirill - 20. August 2012 - 11:25

Johannes, Glückwunsch zur Veröffentlichung!

Alex - 30. Oktober 2012 - 19:40

Ein toller Bericht Johannes – es trifft es auf den Punkt!

GLG
Alex

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