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Von Pfarrern und Hochzeitsfotografen

Das Verhältnis von Hochzeitsfotografen und Pfarrern ist manchmal ein angespanntes. *) Pfarrer wünschen sich einen feierlichen Gottesdienst; sie wünschen sich die ungeteilte Aufmerksamkeit des Brautpaares und der Hochzeitsgäste. Und manche Pfarrer befürchten, das „Geknipse“ eines Hochzeitsfotografen könne ein Störfaktor sein, könne die Feierlichkeit des Augenblicks beeinträchtigen.
Hochzeitsfotografen wollen gute Bilder machen. Sie möchten die eindrucksvollsten, emotionalsten Momente während der Trauung in ausdrucksstarken Bildern erfassen und für das Brautpaar festhalten und für die Erinnerung bewahren. Bei der Umsetzung dieser Aufgabe möchten sie sich von Pfarrern nicht einschränken lassen.
So oder so ähnlich lassen sich die Positionen des Spannungsbogens der gegensätzlichen Interessen von Hochzeitsfotografen und Pfarrern idealtypisch beschreiben. Dahinter stehen auf beiden Seiten unangenehme Erlebnisse, Missverständnisse oder manchmal nur Vorurteile.

*) Auf Gender-Differenzierungen von „Pfarrerinnen und Pfarrern“ oder irgendwelche verschachtelte Abkürzungen verzichte ich jetzt mal großzügig.

Hochzeitsfotograf in Würzburg
„Wenn deine Bilder nicht gut genug sind, warst du nicht nah genug dran.“
Das Zitat des Kriegsfotografen und MAGNUM-Gründers Robert Capa kann in bestimmten Situationen auch für Hochzeitsfotografen gelten.

Hochzeit in Rothenburg
Amerikanische Hochzeit in Dinkelsbühl

Seit kurzem gibt es nun in der Hochzeitsszene eine bemerkenswerte Initiative: Die Trauzone. Unter dem Motto „Der Klick mehr Respekt“ setzt sie sich für den Dialog zwischen Hochzeitsfotografen und Pfarrern ein mit dem Ziel das gegenseitige Verständnis zu fördern und das angeschlagene Verhältnis zueinander zu verbessern.
Urheber der Idee und Entwickler der Programms ist der von mir sehr geschätzte Hochzeitsfotograf Franco Baroni aus Wiesbaden. Er hat sich Pfarrer i.R. Frisch mit ins Boot geholt und an der Idee gefeilt,  eine Website entworfen und mit pastoraler Unterstützung ein Trainingsprogramm für Hochzeitsfotografen erarbeitet. Da steckt viel Herzblut und unheimlich viel mühsame Kleinarbeit drin; deshalb unterstützte ich das Projekt und war gleich bei der ersten Veranstaltung der Trauzone im Februar 2016 in Wiesbaden dabei. Konrad Licht hat einen Trailer gemacht. Sehenswert!

Viele Infos über die Philosophie der Trauzone, Trainingsprogramme, Community und einige interessante Tipps findet man auf der Website.

Hochzeit in Bad Brückenau
Der Augenblick, als der Pfarrer den Hochzeitsfotografen aufforderte, die Kamera wegzulegen und mitzubeten.

Griechisch-orthodoxe Hochzeit

Aramäische Hochzeit in Würzburg

Meine eigenen Erfahrungen?

In katholischen Kirchen in Bayern hatte ich als Hochzeitsfotograf kaum Probleme mit Einschränkungen meiner Arbeit. Zweimal habe ich bisher (zurecht!) einen Rüffel bekommen, weil ich meine Grenzen aus Übereifer einen Augenblick überschritten hatte. Am aufgeschlossensten gegenüber der Fotografie während der Trauung sind nach meinen Erfahrungen orthodoxe Priester (z.B. bei einer griechisch-orthodoxen Hochzeit in Würzburg), am restriktivsten evangelische Pfarrerinnen (dazu vielleicht einige Geschichten bei Gelegenheit)

Griechisch-orthodoxe Hochzeit
Griechisch-orthodoxe Hochzeit in Würzburg

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Franco - 7. Mai 2016 - 14:56

Lieber Johannes,

du hast einen ganz tollen Artikel zu diesem Thema geschrieben und sehr einfühlsam erzählt, worum es uns in der Trauzone geht.
Vielen lieben Dank dafür und schön dass du dabei bist!!

Grüße aus Wiesbaden
Franco

Hallo Johannes,
interessanter Ansatz, den ich bisher nicht kannte. Als jemand, der selbst nicht nur zum Fotografieren in die Kirche geht, finde ich es zwar auch ein wenig befremdlich, dass wirklich Workshops und Trainings notwendig sind, um Kolleginnen und Kollegen das richtige Verhalten im Gotteshaus beizubringen. Aber die Praxis zeigt, dass dem so ist. Ich selbst werde von Pfarrern immer wieder gelobt, wie umsichtig ich mich bei der Arbeit verhalten hätte – aus meiner Sicht eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Insofern ist die Initiative sicherlich zu begrüßen.
Schöne Grüße aus Berlin
Klaus

Boris - 4. Juli 2017 - 08:02

Lieber Johannes,

ich finde den Ansatz auch nicht schlecht, habe es eben erst gefunden.

Ist das Projekt noch aktuell? Ich habe mit meiner Art bisher nur gute Erfahrungen in Kirchen gemacht. Wichtig ist mir, den Pfarrer vor der Trauung wenigstens kurz anzusprechen und vor allem kein Blitzlicht zu nutzen.

Grüße,

Boris

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