Wo ist die Kreativität geblieben?

Ich hätte auch schreiben können: Wo ist  m e i n e  Kreativität als Hochzeitsfotograf geblieben? Ich habe lange überlegt, ob ich das Bild überhaupt öffentlich zeige. Die Aufnahme wurde beim letzten Contest der International Society of Professional Wedding Photographers ISPWP Fall 2017 in der Kategorie „Bridal Party“ ausgezeichnet. Seit vier Jahren inszeniere ich ein solches Motiv vom Bräutigam mit seinen Freunden. Auf allen Hochzeiten, bei denen die Jungs mitmachen. In den verschiedensten Variationen, auch mal von hinten mit nackigem Po.

Hochzeit in der SchweizContest der International Society of Professional Wedding Photographers ISPWP Fall 2017, Kategorie „Bridal Party“

Bereits 2016 erhielt ein ähnliches Motiv einen Word Elite Photographers Award (siehe unten). Ist also ein alter Hut. Das einzig Besondere ist an dem Bild oben, das jetzt von der ISPWP ausgezeichnet wurde: Bei der Hochzeit am Vierwaldstätter See in der Schweiz (weitere Fotos von der Hochzeit hier) waren die Jungs so cool, sich trotz Regen draußen aufzustellen. Also, kleine interessante Verfeinerungen sind möglich, aber ich frage mich ernsthaft: Ist dir nichts Neues eingefallen? Warum hast du das Bild überhaupt zu einem Wettbewerb eingeschickt? Und ich muss mir eingestehen, dass ich mir erhofft hatte, mit dem abgedroschenen Motiv immer noch punkten zu können. Und bei Hochzeiten denke ich ebenso: Mit diesem Bildarrangement kann man bei Hochzeitsgesellschaften immer noch Eindruck schinden und ein bewunderndes WOW hervorrufen. Ich muss feststellen, dass ich mich als Fotograf bei Hochzeiten mehr und mehr darauf verlasse, was nach meiner Erfahrung bei früheren Hochzeiten gut funktioniert hat, dass ich mich dadurch immer nur selbst reproduziere und selbst kopiere. Und dass ich immer weniger Neues ausprobiere und mich immer seltener auf unbekanntes Terrain begebe auf die Gefahr hin baden zu gehen. Das beunruhigt mich. Und ich frage mich, wo ist mein Wagemut und wo ist meine kreative Power geblieben?

Für den kreativen Blick kein Raum

Im Grunde kann ich es mir nur so erklären: In Laufe der Jahre habe ich mir selbst den Hochzeitstag mit immer mehr Pflichtaufgaben und Pflichtfotos überladen und zugepflastert, dass mir für den kreativen Blick keine Zeit und kein Raum mehr geblieben ist. Das beginnt mit dem obligatorischen Foto vom Brautkleid, den Brautschuhen und sonstigen Accessoires und endet mit der Befürchtung am Ende doch irgendein von der Braut selbstgebasteltes Dekostück vergessen zu haben. Ein vollgepacktes Programm zieht die Aufmerksamkeit des Fotografen so auf sich, dass ihm für die unbeobachteten Augenblicke, für die Nebenkriegsschauplätze und die Menschen am Rande keine Zeit und keine Muse mehr bleibt. Kreativität aber braucht Zeit und Konzentration und auch mal ab und zu eine kurze Besinnung.  Auf den unvorhersehbaren, überraschenden Moment muss man warten können in höchster Anspannung; dabei bereit sein, Neues zu entdecken und mutig Fehler zu machen.

Sich selber permanent in Frage stellen

Ich merke, da muss sich etwas Grundsätzliches ändern – bei mir persönlich und vielleicht auch in der Hochzeitsfotografie insgesamt. Wo sind denn die Kreativen in diesem Land? Wo sind die neuen Bilder, bei denen einem die Kinnlade runterfällt und der Mund offen stehen bleibt? Fast könnte man den Eindruck gewinnen, die wirklich eindrucksvollen Momente spielen sich nur vor den Augen italienischer Fotografen ab.

So bleibe ich wohl auch bei meinen Workshops zu allererst einer, der permanent sich selber in Frage stellt und sich als ein Lernender versteht.

Hochzeit HeilbronnWord Elite Photographers Award 2016

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